Lippstadt

Gehört Lippstadt zu Ostwestfalen, zu Ostwestfalen-Lippe (OWL) oder gar zu Südwestfalen? Lippstadt gehört zum Kreis Soest und hat rein geografisch nichts mit dem viel weiter südlich gelegenen Sauerland und Südwestfalen zu tun. Die Gebiete sind eigentlich geografisch, klimatisch, kulturell und durch die quer verlaufende Autobahn A44 und den sogenannten „Haarstrang“ (eine Anhöhe) weit voneinander getrennt. Alleine der Begriff „Südwestfalen“ ist in der Bevölkerung nicht gebräuchlich.

Warum gehört Lippstadt nicht zu Ostwestfalen-Lippe (OWL)?

Das wirkt auf den ersten Blick tatsächlich absolut unlogisch! Wenn man an direkt am Fluss Lippe wohnt und die Lippstadt sogar nach dem Fluss benannt ist, sollte man meinen, dass man mitten im „Lippe“-Teil von Ostwestfalen-Lippe liegt. Der Grund für diese Verwirrung ist ein klassischer Fall von „Fluss vs. Fürstentum“. Das L in OWL bezieht sich nämlich nicht auf den Fluss Lippe, sondern auf das historische Land Lippe. Hier ist die Erklärung, warum Lippstadt historisch und politisch knapp an OWL vorbeigeschrammt ist:

1. Das "L" steht für ein Land, nicht für den Fluss

Das Lipperland (der heutige Kreis Lippe mit Städten wie Detmold, Lemgo oder Bad Salzuflen) war jahrhundertelang ein eigenständiges Territorium – erst eine Grafschaft, dann ein Fürstentum und nach dem Ersten Weltkrieg ein Freistaat. Als dieses Land Lippe sich 1947 zögerlich entschied, seine Unabhängigkeit aufzugeben und sich Nordrhein-Westfalen anzuschließen, wurden ihm in den Lipper Punktationen Sonderrechte garantiert. Um diese historische Eigenständigkeit der lippischen Bevölkerung zu würdigen, wurde der Regierungsbezirk Detmold offiziell Ostwestfalen-Lippe genannt. Das „L“ ist also ein politisches Erbe dieses ehemaligen Staates.

2. Die Geschichte von Lippstadt

Lippstadt wurde zwar im 12. Jahrhundert von Bernhard II. zur Lippe (dem Stammvater des lippischen Fürstenhauses) gegründet, aber die Stadtgeschichte entwickelte sich völlig anders als die des restlichen Lipperlandes:

  • Das Kondominium (Gemeinschaftsherrschaft): Über Jahrhunderte gehörte Lippstadt nicht den Lippern allein. Sie mussten sich die Herrschaft mit den Brandenburg-Preußen (und vorher den Grafen von Mark) teilen. Lippstadt war eine sogenannte Samtherrschaft.
  • Preußen übernimmt ganz: Im Jahr 1850 trat das Haus Lippe seine Rechte an der Stadt komplett an Preußen ab. Lippstadt wurde damit endgültig Teil der preußischen Provinz Westfalen.
  • Die Kreisreform 1975: Bis zur großen Gebietsreform war Lippstadt eine kreisfreie Stadt und der Verwaltungssitz des alten Kreises Lippstadt. 1975 wurde dieser jedoch mit dem Kreis Soest zusammengelegt.

Das Ergebnis heute

Da Lippstadt historisch zur preußischen Provinz Westfalen geschlagen wurde (und eben nicht zum Kernland des Freistaates Lippe gehörte), landete die Stadt bei der Gründung von NRW im Regierungsbezirk Arnsberg (Westfalen) und ging im Kreis Soest auf.

  • Der Kreis Lippe (OWL) liegt heute ein gutes Stück weiter nord-östlich von Lippstadt
  • Lippstadt liegt zwar am Fluss Lippe, gehört geografisch aber zur Region Südwestfalen (bzw. Westfalen-Lippe im weiteren Sinne)

Es ist also ein historisches Paradoxon: Die Stadt, die den Fluss im Namen trägt und von den Lippern gegründet wurde, gehört heute politisch nicht zu OWL – während der Kreis Lippe in OWL liegt, der Fluss dort aber nur an wenigen Stellen überhaupt die Grenze berührt.

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